Social Media Revolution - wie soziale Netzwerke die Marketingwelt verändern

Plattformen wie Youtube, Facebook, StudiVZ oder Twitter sind heute den meisten ein Betriff. Diese so genannten sozialen Medien haben in den vergangenen Jahren den Internetmarkt erobert und Platzhirsche mit ihren großen Portalen (z.B. Yahoo) vom goldenen Thron gestoßen.

 

Selbstverständlich hat es nicht lange gedauert, bis auch Marketingfachleute auf das Thema aufmerksam wurden. Mittlerweile ist sogar eine eigene Sparte des Onlinemarketings entstanden: das Social Media Marketing (kurz SMM) beschäftigt sich mit der Frage, wie man mit Hilfe sozialer Netzwerke Firma, Produkte oder Dienstleistungen besser, schneller, günstiger und effizienter an den Mann bringen kann.


Dabei haben die meisten die Bedeutung und die Auswirkungen der sozialen Medien auf das bisherige Marketing überhaupt noch nicht verstanden. Social Media wird die Art und Weise der Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Kunden grundsätzlich ändern. Werber müssen verstehen, dass die jahrzentelange Tradition, seine Kunden wie auf einer Einbahnstraße mit ihren Botschaften zu beschallen, ausgedient hat. Galt bis dato eine typische Marketingaussage, dass ein unzufriedener Kunde im Schnitt ein Dutzend anderer mit seiner Meinung erreicht, ermöglichen Youtube, Facebook, Twitter, Blogs & Co. eine rasend schnelle Verbreitung von Nachrichten rund um den gesamten Erdball und so den Austausch von Erfahrungen und Eindrücken.

 

Jack WolfskinVor ein paar Wochen erst hat der Sportbekleidungshersteller Jack Wolfskin die geballte Kraft der sozialen Community zu spüren bekommen. Man hat mehrere kleine Händler abgemahnt, die gegen geltendes Markenrecht verstoßen haben sollen - mit dem Verkauf von T-Shirts mit Motiven, die denen der Wolfstatze von Jack Wolfskin ähneln sollen - ob zu Recht oder Unrecht, darüber mögen sich Rechtsexperten streiten. Während früher der Fall mit wenig Aufsehen wohl schnell in Vergessenheit geraten wäre und die Abgemahnten, wie in den meisten Fällen die Regel, bezahlt und die Unterlassungserklärung unterschrieben hätten, tat sich hier etwas sonderbares: das Netz solidarisierte sich. Binnen weniger Stunden gab es unzählige Blogeinträge und Twitter zwitscherte über nichts anderes mehr. "Gemeinsam sind wir stark" - das muss wohl der Leitgedanke gewesen sein, denn man stellte sich offenbar mit vereinten Webkräften dem vermeintlichen Kampf David gegen Goliath - Bloggosphäre gegen Jack Wolfskin. Obwohl man von Seiten des Bekleidungsherstellers stets betonte, dass die Abmahnungen rechtens sind, knickte Jack Wolfskin letztendlich ein. Die Abmahnungen wurden zurückgezogen, die Sache war gegessen - zumindest für die betroffenen Abgemahnten. Für Jack Wolfskin wird die Angelegenheit noch lange unangenehme Folgen haben. Gibt man jetzt bei Google Jack Wolfskin ein, erscheint bereits an vierter Stelle ein Eintrag zur Abmahnwelle. Ein PR-Supergau, der sicherlich noch eine Weile seinen Schatten über die Traditionsmarke werfen wird.

 

Das Risiko der Unternehmen, heute von einer Masse in einem schlechten Licht dargestellt zu werden ist aber auch gleichzeitig eine Chance. In genau der Art und Weise, wie negative Kritiken verbreitet werden, lassen sich auch positive Botschaften unters Volk bringen. Man muss dafür nur seine Kommunikationspolitik ändern. Holen Sie Ihre Kunden ins Boot. Binden Sie sie in die Geschäftsprozesse ein. Lassen Sie Ihre Kunden diskutieren, Meinungen austauschen und geben Sie ihnen das Gefühl, sie würden zum Erfolg des Unternehmens beitragen. Regen Sie zu kontroversen Gesprächen an und reagieren Sie offen auf Kritik. Dell machte es vor einigen Jahren vor. Dank Social Media und dem Wandel der eigenen Politik gegenüber seinen Kunden steigerte der Computerhersteller seinen Umsatz in den vergangenen Jahren sign

ifikant. Dell hat die Zeichen der Zeit erkannt und setzt heute mehr den je auf die Einbindung der Kunden in den Entwicklungsprozess der Produkte. So gibt es auf

Wunsch mittlerweile Dell-Computer mit Linux - ohne die Mitwirkung und den Einfluss der breiten Masse, so z.B. den Blogger Jeff Jarvis, Erfolgsautor des Bestsellers "Was würde Google tun", der bereits 2005 in seinem Blogartikel von der Dell-hell sprach und sich über die Qualität und den Service von Dell äusserte, hätte Dell den Wandel und den Weg zurück an die Spitze vielleicht nicht geschafft.

 

Einfach ausgedrückt: Kunden haben jetzt die Macht. Soziale Netzwerke sind das Werkzeug und die Bühne und Unternehmen haben letztendlich nur die Wahl sich an den Gesprächen über sie zu beteiligen - gesprochen wird so oder so. Diesen Trend bzw. Umbruch und Wandel zu verschlafen wünsche ich niemandem. Es ist auch keine Mode, die wieder out sein wird. Das Internet hat eine neue Dimension der Kundenbeziehung geschaffen und derzeit spriessen täglich unzählige neue Angebot aus dem Webboden. Jedes Einzelne gibt der breiten Masse ein Stück Macht über die allgemeine Meinung. Mal ist es ein Blogeintrag, das andere mal ein Video, wieder wo anders kann man Vergleiche aufstellen und bearbeiten, wie bei unseren Kollegen von komparable.com. Komparable.com Das Nürnberger Duo Volker Tontsch und Dinko Verzi schuf mit ihrem Vergleichsportal die Möglichkeit x-beliebige Vergleiche einzurichten - wie eine Mixtur aus produki, Qype und anderen klassischen Vergleichsseiten. So lassen sich Weihnachtbäume, Dufttannen für das Auto ebenso wie Android-Smartphones vergleichen und bewerten. Und jeder der möchte, ist dabei - ohne Presseausweis, Zertifikat oder Nachweis über die Qualifizierung für die eigene Meinungsbildung.

 

Ich möchte kein Untergangsszenario für das klassische Marketing heraufbeschwören. Klassische Werbung hat ihre Berechtigung und wir werden morgen nicht jedes Produkt nur noch über das Internet verkaufen. Aber das Internet nimmt zunehmend einen großen Stellenwert bei Kaufentscheidungen ein. Nicht umsonst stehen die Ausgaben für Onlinewerbung auf Platz 3 direkt hinter TV und Zeitungen - Tendenz stark steigend. Heute besuchen 86% der 14 bis 29 Jährigen täglich soziale Netzwerke wie Youtube oder Wikipedia. Während Werbemöglichkeiten im Fernsehen nur großen Unternehmen vorbehalten ist und die Art und Vielfalt der Werbeflächen bei Zeitschriften begrenzt ist, bietet das Internet schier unendliche Möglichkeiten zu Werben - mit Social Media sogar größtenteils ohne zusätzliche Kosten.

 

Vor Kurzem habe ich zu diesem Thema einen Vortrag beim Business Marketing Forum in Ingolstadt gehalten. Die Kernthesen dieses Vortrags können Sie in der folgenden Präsentation nachlesen: 

 

 

Wenn Sie nun auf den Geschmack gekommen sind und mehr zum Thema Social Media erfahren möchten, empfehle ich Ihnen unseren Workshop "Fit für Social Media". Die Veranstaltung findet am Dienstag, 15. Dezember 2009 sowie Mittwoch, 20. Januar 2010 jeweils um 20 Uhr im EGZ Ingolstadt statt.


Datum: 17.11.2009
Autor: Daniel Steffen

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