EuGH-Urteil zur Einwilligungspflicht bei Cookienutzung

01.10.2019
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat sich am heutigen 01. Oktober 2019 dafür ausgesprochen, dass vor einer Cookie-Nutzung eine Einwilligung des Betroffenen eingeholt werden muss. Das Bedeutet im Klartext: ohne Einverständniserklärung des Webseitenbesuchers ist das Setzen von Cookies (bis auf wenige Ausnahmen) nicht datenschutzkonform.

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Bisher war es gängige Praxis, auf das Setzen von Cookies in Form eines Cookiebanners hinzuweisen. Häufig liest man dabei folgenden oder ähnlichen Text: "Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung akzeptieren Sie das Setzen von Cookies."

Die Cookies werden dabei bereits beim ersten Betreten der Webseite gespeichert. Der Benutzer willigt nicht vorab ein und hat, im Bestfall, die Möglichkeit eines Opt-Outs (z.B. Widerspruch gegen Besucheranalyse).

Dieser "bequemen" Praktik hat der EuGH in seinem Urteil im Fall "planet49" nun einen Riegel vorgeschoben. Nach Ansicht des EuGHs sind die bis dato eingesetzten Einwilligungsbanner nicht ausreichend. Vielmehr dürfen Cookies (mit Ausnahme technisch notwendiger Cookies) erst nach einer ausdrücklichen und informierten Einwilligung auf den Geräten der Webseitenbesucher gespeichert werden.

Was bedeutet das für die Praxis?

  • Beim Betreten einer Seite dürfen Cookies (mit wenigen Außnahmen) nicht automatisch gesetzt werden
  • Der Besucher muss, sofern Cookies gesetzt werden sollen, darüber klar und transparent informiert werden
  • Der Besucher sollte auf die Freiwlilligkeit und das Widerrufsrecht der Einwilligung hingewiesen werden
  • Der Besucher muss aktiv (z.B. mittels einer Checkbox) in die jeweils einzelne Verarbeitung einwilligen
  • Sofern Cookies von Dritten gesetzt werden, müssen diese namentlich genannt werden
  • Die Checkbox für eine Einwilligung darf nicht vorarb ausgefüllt sein
  • Eine reine Opt-Out-Lösung ist nicht ausreichend

Welche Ausnahmen gelten?

Ohne explizite Einwilligung dürfen in Zukunft nur noch Cookies automatisch gesetzt werden, die für den Betrieb einer Webseite technisch notwendig sind. Dies kann z.B. der Fall sein bei:
  • Warenkorbfunktion von Onlineshops
  • Sprachauswahl
  • Loginfunktion einer Community
  • Cookies, die eine Einwilligung oder einen Widerruf speichern

Muss die Webseite nun umgebaut werden?

Bisher konnten sich deutsche Unternehmer auf das Telemediengesetz (TMG) berufen. Hiernach war eine Opt-Out-Lösung ausreichend, auch wen dies nicht den Vorgaben der EU-Cookierichtlinie enstprach. Mit dem Urteil des EuGH wird sich dies wohl ändern, obwohl final noch das Urteil des BGH abgewartet werden muss. Wer kein Risiko (Abmahungen oder Bußgelder) eingehen möchte, sollte seine Webseite entsprechend umbauen. Google Analytics (ohne Einwilligung) dürfte Geschichte sein, ebenso der Einsatz von Google Maps oder ähnlichen Diensten, die Cookies setzen.

Ungeklärte Fragen

Leider gibt es, wie so oft, nach wie vor viele ungeklärte Detailfragen. Muss beispielsweise jedes einzelne Cookie bestätigt werden oder kann in die Verwendung von Cookies auch thematisch gebündelt (z.B. Werbung, Personalisierung) eingewilligt werden? Wie genau werden technisch notwendige Cookies definiert? Während man sich bei Besucheranalysen oder Social-Media-Plugins in der Regel klar gegen eine technische notwendigkeit ausspricht, bleibt die konforme Einbindung von CDNs oder Schriftbibliotheken, die u.a. auch Cookies speichern können, ungeklärt. Wir werden wohl doch auf die finale ePrivacy-Verordnung warten müssen. Vielleicht ist heute aber auch guter Moment, um über Alternativen nachzudenken. So lässt sich eine Besucheranalyse auch (sogar ohne das Setzen von Cookies) mittels einer Open-Source-Software Matomo realisieren. 

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Über den Autor

Daniel Steffen, Geschäftsführer der Digitalagentur novinet und zertifizierter Datenschutzbeauftragter (DSB-TÜV) berät deutschlandweit Unternehmen sowie Vereine und Agenturen im Bereich des Datenschutzes.

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